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Bio – Hauskreisabend – Ein Erfahrungsbericht von Rahel Thomas

Wenn es einmal im Monat im Hauskreis verführerisch nach „Käsenudeln“, „Verlorenen Eiern“ oder „Erbsensuppe und Zitronenpudding“ duftet, dann steht wieder einmal ein Bioabend auf dem Programm. Denn was könnte einen solchen biografischen Hauskreisabend besser einleiten, als ein typisches Essensgericht aus der Kindheit der Person, die im Mittelpunkt des Abends stehen soll? „Samstags war bei uns immer Familienarbeitseinsatz im Garten oder Haus und dann aßen wir meistens Erbsensuppe aus der Dose.“ Nach diesen Einleitungsworten löffelt also der gesamte Hauskreis genüsslich die Erbsensuppe aus der Dose und erfährt ganz nebenbei schon so manche andere amüsante Einzelheit über die Ess- und Tischgewohnheiten der betreffenden Familie. Nach dieser kulinarischen Einstimmung wechseln wir vom Esstisch in die gemütliche Sofaecke und nun geht es ans Eingemachte.

Heute steht nicht etwa ein Bibeltext oder ein wichtiges geistliches Thema, sondern ganz allein eine Person aus dem Hauskreis im Mittelpunkt und breitet sein bisheriges Leben vor den anderen Hauskreisteilnehmern aus. Eine Grundvoraussetzung dafür ist eine Atmosphäre der Offenheit und des Vertrauens, die insbesondere eine feste, nicht ständig wechselnde Hauskreisgruppe mit sich bringt. Gäste oder neue Hauskreisbesucher laden wir für den nächsten Hauskreisabend ein. Eine weitere klare Regel für diesen Abend ist, dass alle Details der Lebensgeschichte der Vertraulichkeit unterliegen und nicht nach außen getragen werden. Ein bisschen Mut und Überwindung kostet so ein Bio-Abend für die betreffende Person schon. Aber ein gewisser Trost ist die Abmachung, dass jeder aus dem Hauskreis einmal auf dem heißen Stuhl sitzt.

Und dann beginnt die Person also, aus ihrem Leben zu erzählen, packt aus, was sich da im wahrsten Sinne des Wortes im Koffer des Lebens von der Geburt bis zum heutigen Tag an Dingen und Geschichten, amüsanten aber auch schmerzlichen Erlebnissen angesammelt hat. Als Erzählhilfe wählt jeder einen anderen methodischen Weg: Der eine packt tatsächlich seinen Koffer mit Frühchenschnuller, ersten Schuhen, Fußballtrikot und anderen persönlichen Gegenständen aus, zu denen er jeweils eine Geschichte zu erzählen weiß. Während der nächste einen Zeitstrahl mit traurigen oder lachenden Gesichtern und Symbolen erläutert oder eine dritte Person eine Landkarte zu den einzelnen Stationen ihres Lebens aufrollt. Wie unterschiedlich auch immer die methodische Umsetzung am Bio-Abend präsentiert wird, alle Hauskreisteilnehmer machen schon bei der Vorbereitung für ihren Bio-Abend eine ähnliche Erfahrung: Wie spannend, aber auch berührend es ist, mal sein gesamtes bisheriges Leben aufs Papier zu bringen, sein Lebenskonzept im Rückblick aufzuschreiben und auszuwählen, welche Sternstunden, aber auch Tiefpunkte eigentlich bisher das eigene Leben geprägt haben und wo Gottes Handschrift in dem Auf und Ab der Lebenslinie zu erkennen ist.

Diese persönlichen Lebenserfahrungen der Hauskreisgruppe anzuvertrauen, ist am Bio-Abend dann nicht nur für den Erzähler eine sehr spannende und bewegende Geschichte, sondern auch in besonderer Weise für die Zuhörer. Das Mitlachen und Mitweinen verdichtet sich an einem solchen Abend in besonderer Weise und während die Fotos aus den Kinder- oder Jugendtagen die Runde machen, sieht manch einer den Erzähler mit völlig neuen Augen. Plötzlich wird verständlich, warum die betreffende Person in manchen Situationen so angefasst reagiert oder bestimmte Themen für sie Reizthemen sind. Oftmals macht sich in der Hauskreisrunde große Betroffenheit und tiefe Anteilnahme breit und das Vertrauen zueinander an einem solchen Bioabend wächst. Beeindruckt und sehr dankbar segnen wir schließlich die Person, die uns an ihrem Bio-Abend Einblick in ihr Leben gegeben hat.

Setzt eine solche Bioabendreihe im Hauskreis auch einen gewissen Vertrauensvorschub voraus, so hat sie in unserem Hauskreis in jedem Fall auch zu einem Zuwachs an Vertrauen und Anteilnahme füreinander geführt. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass auf der Grundlage der Bioabendreihe später oft ganz unvermittelt im Hauskreis noch Ergänzungen von persönlichen Details, die man doch lieber noch zurückgehalten hatte, oder auch ein Bioabend Teil 2 folgten. Aber nicht nur das Vertrauen untereinander wuchs, sondern auch das Vertrauen zu dem großen Autor wurde gestärkt, der mit jedem von uns auch heute noch ganz individuell seine Lebensgeschichte schreibt. Denn mit dem Erzählen unserer Lebensgeschichte im Hauskreis setzen wir letztlich doch nur die Tradition der Bibel fort, die die Lebensgeschichten eines Noahs, Moses oder Abrahams bezeugt.

Rahel Thomas
(Erfahrungsbericht eines Hauskreises der Ev. Freikirchlichen Christusgemeinde Bremen–Blumenthal)

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